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Die Industrieländer leisten immer mehr Entwicklungshilfe - zumindest rechnerisch. Allein zwischen 2002 und 2004 stieg demnach die Summe der staatlichen Entwicklungshilfeleistungen (Official Development Assistance -ODA) von 58 auf fast 80 Milliarden Dollar. Doch der Schein trügt: Die Steigerung ist vor allem dem Erlass von Schulden zu verdanken, die ohnehin längst abgeschrieben waren. Außerdem werden Hilfen mitgezählt, die mehr mit dem Kampf gegen den Terrorismus als mit dem gegen die Armut zu tun haben. Schuldenerlasse sind zwar sinnvoll, setzen in der Regel aber keine neuen Mittel zur Überwindung der Armut frei. Deshalb wurde auf dem UN-Entwicklungsgipfel 2002 in Monterrey vereinbart, die Entwicklungshilfe drastisch zu steigern, ohne Schuldenerlasse einzurechnen. Bereits 1970 haben die Industrienationen das Ziel verkündet, 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens (BNE) für die Entwicklungshilfe bereit zu stellen. Davon sind sie heute noch weit entfernt. Würde man die damals geltenden Kriterien anlegen, wäre die ODA von rund 0,3 Prozent des BNE im Jahr 1990 auf heute 0,18 Prozent gefallen. Die Statistik wurde in den vergangenen Jahren immer wieder aufpoliert: Seit 1979 werden auch Verwaltungskosten angerechnet, unter anderem die Personalkosten des zuständigen Ministeriums. 1984 kamen die Kosten für Studenten aus Entwicklungsländern dazu, die in den Industrieländern studieren. Seit 1994 gelten auch Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge und Asylbewerber aus Entwicklungsländern als Entwicklungshilfe. Besonders problematisch sind Kredite an Entwicklungsländer, mit denen diese in den reichen Staaten einkaufen können. Wenn ein Viertel der gewährten Summe als Zuschuss vergeben wird, kann der gesamte Kredit als Entwicklungshilfe angerechnet werden. Die britische Organisation ActionAid hat 2005 sogar behauptet, dass nur etwa ein Drittel der gesamten Entwicklungshilfe tatsächlich zur Bekämpfung der Armut eingesetzt werde. Der Rest werde als »technische Hilfe« an Aufträge für Berater oder Firmen des Nordens geknüpft, verschwinde in der Verwaltung oder werde in Wirklichkeit nur auf dem Papier ausgegeben.
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