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Titel

THEMA BAUMWOLLE

„Weißes Gold, schwarze Kassen“

Ernte eingebracht, Schulden wachsen: Wer auch immer in Burkina Faso mit Baumwolle verdient, die Bauern sind es nicht. Über das Dilemma der Bauern in Burkina Faso.

Aus: FAZ, 13.05.2009 von Jochen Stahnke (gekürzt)

Dass die Bauern wenig bis nichts verdienen, liegt unter anderem an der „grassierenden Korruption“. Die meisten Bauern bestellen Felder, deren Größe einem Fußballfeld gleicht. Im März ist der größte Teil der Ernte eingebracht. Zu Beginn der Regenzeit muss die neue Ernte einsät werden. Dazu muss die eingebrachte Ernte abgeholt und somit bezahlt werden. Stattdessen bleiben immer wieder die alten Ernten liegen, das neue Saatgut, eigentlich mit den Erlösen der Ernte zu bezahlen, treibt die Bauern in eine weitere Schuldenfalle.

Die FAZ erzählt das Beispiel des 56jährigen Bauern Gabriel Hien und seiner Frau aus dem Westen Burkina Fasos. „Hien und seine Familie besitzen acht Hektar Land. Die Baumwolle haben sie zum Markt gekarrt und dort abholen lassen. Verdient haben sie dabei fast nichts. So wie eigentlich jeder in Complan.“ Damit kommt die zweite Komponente ins Spiel, die halb­ staatliche Sofitex. Umgerechnet 24 Cent soll pro handgepflücktem Kilo Baumwolle gezahlt werden. Bei einer Tonne macht das 240 Euro, den Gegenwert einer Kuh.

Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt, aber nach Ägypten der zweitgrößte Baumwollproduzent Afrikas. Die Baumwolle sorgt für etwa zwei Drittel der Exporterlöse und sorgt direkt oder indirekt für die Ernährung von rund 700.000 der 14 Millionen Einwohner. 3 Millionen leben indirekt von der Baumwolle. Den Namen „weißes Gold“ verdient die Pflanze aber nur noch für einen kleinen Teil der damit beschäftigten. Die FAZ schreibt von einer „Clique“. Seit fast acht Jahren bewirtschaften Hien und seine Familie den Hof, ein Grundstück und das mit einer Hacke bearbeitete Feld. 700 Kaurimuscheln und zwei Ziegen haben sie dafür bezahlt. Dünger, Saat und Pestizide liefert Sofitex auf Kredit – an Hien und alle anderen Bauern im Westen Burkina Fasos. Sofitex hat das Monopol. Normalerweise wird nach der Ernte zurückgezahlt, aber erst wenn die Ernte abgeholt wurde. Einmal reichte die Ernte nicht, um die Lieferungen auszugleichen. "Drei Ziegen musste ich zusätzlich verkaufen, um die Schulden zu tilgen.", berichtete Hien der FAZ weiter.

Von dem Monopolisten weg zu kommen ist nicht einfach, denn die Verträge werden von Jahr zu Jahr geschlossen und Baumwolle ist die einzige Möglichkeit, an Dünger zu kommen. Zudem ist Sofitex auch für die Weiterverarbeitung zuständig. In deren Entkernungsanlagen werden die Baumwollsamen von den begehrten Samenhaaren getrennt.

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