Baobab_rgb2
germanyC burkinaC1
Titel

Liebe Freunde und Mitglieder der DBFG!

Eben komme ich aus dem morgendlichen Garten, habe in frischer sonniger Luft die Pflanzen beschnitten, ein paar Radieschen geerntet, den Weinbergschnecken zugesehen und dem Zwitschern der Vögel gelauscht.

Es ist ruhig an einem frühen Sommermorgen hier auf dem Land, irgendwo kräht ein Hahn - hörte man einen Esel, es wäre fast wie in Afrika.

Nun lese ich zur Einstimmung gerade noch einmal mein Vorwort, das ich vor zehn Jahren für die damalige Ausgabe des DBFG Rundbriefes geschrieben habe, - - - schon sind 10 Jahre vergangen, die Zeit fliegt dahin, was ist in diesen 10 Jahren alles geschehen . . . 

Die neue Ausgabe der Burkina-Info ist fertig, mein Sohn hat sie mir per Mail geschickt und es fehlt nur noch „mein“ Vorwort, damit sie in den Druck gehen und an Sie, liebe Leser, verschickt werden kann.

Wir sind im Juni 2010, nach 50 Jahren wieder einem „Jahr Afrikas“.

Ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit Kamerun am 1. Januar 1960 das Jahr der afrikanischen Unabhängigkeit eröffnete. Überschattet von der Kongokrise starteten im Sommer alle Staaten im ehemaligen Französisch - Westafrika und Französisch – Äquatorialafrika in die Freiheit. 50 Jahre Freiheit werden gefeiert, oft hat diese Freiheit ebenso viel Grausamkeit, Elend, Ausbeutung, Armut, Krieg und Zerstörung mit sich gebracht wie die Kolonialherrschaft davor.

Trotzdem wird gefeiert, wieder ein Punkt von dem man starten kann, neue Hoffnung schöpfen, das Gute heraussuchen, daran anknüpfen, nach vorne schauen. Die überwältigende Mehrheit der heute lebenden Afrikaner hat die Kolonialherrschaft nicht miterlebt, kennt nur die eigene Staatlichkeit und die damit verbundenen Verhältnisse. Die 50-Jahr Feiern ihrer Staaten werden Anlass sein, diese Verhältnisse kritisch zu betrachten, Bilanz zu ziehen und den Aufbruch zu neuen Ufern zu wagen.

Gestern begann die Fußball Weltmeisterschaft in Südafrika, zum ersten Mal in der Geschichte ist der Kontinent Gastgeber für ein Weltsportereignis. Voller Stolz beginnt Afrika seine angemessene Rolle in der Welt einzunehmen und der von Shakira gesungene Hit „This time for Africa“ mit der Aufforderung: „Wenn du fällst, dann steh wieder auf !“ kann als Motto für den ganzen Kontinent verstanden werden.

Die Weltmeisterschaft ein Medienereignis ersten Ranges, Afrika in aller Munde, nicht nur verbal, auch kulinarisch, Geschäfte selbst in Deutschland bieten passend zum Thema Produkte aus (Süd-) Afrika an: (in bestem Denglisch: Taste of Afrika) , dazu Rezepte, Informationen, Reisen und . . . Vorurteile. Beim Bäcker sah ich kürzlich die bekannten „Amerikaner“ in neuem Gewand als „Afrikaner“, den Zuckerguss ersetzt durch eine Schokoglasur, darin Augen, Nase, Mund - - - Afrika liegt voll im Trend.

Unser Titelbild ziert ein burkinischer Fußballfan, er stammt vom WM Ergebnisposter der Apothekenzeitschrift für Kinder medizini und bringt mit seinem schrillen Outfit die burkinischen Symbole und afrikanische Lebensfreude voll zur Geltung.

Hoffentlich wird die einmalige Chance genutzt und es siegt bei so viel Interesse die sachliche Information über die Verbreitung von alten und neuen Vorurteilen.

Vor zehn Jahren schrieb ich:

. . . 1960 gilt als das „Jahr Afrikas“ allein 17 von 50 Staaten erreichten 1960 die Unabhängigkeit, darunter auch „Obervolta“, das 24 Jahre später Burkina Faso heißen sollte. 40 Jahre sind seitdem vergangen, sicher ein Zeitraum, der einen Rückblick rechtfertigt.

Wie viele Erwartungen und Hoffnungen waren damals mit der Unabhängigkeit verbunden – was sollte werden aus einem Land ohne Küste, ohne Häfen, ohne nennenswerte Reichtümer und unter der Last zunehmender Verwüstung?

Die sich gegenseitig beeinflussenden politischen Ereignisse in den ehemals französischen Kolonien in Westafrika führten zu unruhigen Zeiten: Einheitspartei, Diktatur, Aufstand, Militärputsch, neue Diktatur, lösten sich ab und der einfache Mensch in Dorf und Stadt suchte weiter oft unberührt von den Machtwechseln sein knappes Auskommen. Das kurze Zwischenspiel der Revolutionäre um Thomas Sankara 1983 bis 1987 war die Ausnahme: plötzlich gab es Hoffnung bei den zu kurz Gekommenen, bei der Jugend, den Frauen, auch auf dem Land. Ängste aber bei den traditionellen Herrschern, den Besitzenden, Ausbeutenden, denen, die in und von den neokolonialen Strukturen profitierten. Mit Streit und Mord endete die Revolution und die „Berichtigung“ des Systems und der Ziele durch Blaise Compaoré lief so wie die wandelnde Welt es erforderte. Die Restauration folgte der Revolution, über Diktatur, Einheitspartei und formal demokratische Wahlen entstand die heutige Gesellschaft, in der Konformismus, Kapitalismus und „American way of life“ das Ziel bestimmen. Das Wenige, was den Staat neben Polizei und Militär noch ausmacht, wird auf Druck von außen abgebaut, statt dessen gelten Selbstbedienung und formales Wirtschaftswachstum, gemessen an den Indikatoren von Weltbank und Internationalem Währungsfond als höchste Tugenden.

Eine letztendlich allmächtige Partei und Regierung toleriert gewisse Freiheiten, lässt sich aber weder in die Karten schauen, noch einen Teil der Macht von der unfähigen Opposition entreißen. International allerdings genießt Burkina Faso Ansehen, Ouagadougou ist zur Drehscheibe Westafrikas aufgestiegen, Konferenzen, Sport, Fespaco, SIAO – kaum ein Jahr vergeht, ohne dass die Welt Notiz nimmt von dem kleinen unbedeutendem Hinterland der Elfenbeinküste, das Obervolta vor 40 Jahren noch war. Es ist Frieden gehalten worden nach innen sowie nach außen, Entwicklung fand statt, auch durch viel Geld von außen angeschoben und das Leben der Burkiner hat sich zumindest nicht verschlechtert seit 1960. . . .

 

Eigentlich ist dem auch heute nicht viel hinzuzufügen, weiterhin können die Burkiner in Frieden leben. Ihr Präsident heißt immer noch Blaise Compaoré und er wird in diesem Jahr sicher noch einmal für 5 Jahre wiedergewählt.

International genießt er hohes Ansehen, seine Vermittlungen (und Verwicklungen?) in den westafrikanischen Krisenstaaten sind Legende. Elfenbeinküste, Togo, Mauretanien, Guinea – wo immer in den letzten Jahren Konflikte ausbrachen, Blaise war da, er vermittelte, verhandelte, und verkündete meist einen tragfähigen Kompromiss zur Lösung der Probleme.

 

Auch die DBFG feiert – zusammen mit der Botschaft und Burkinern in Deutschland wollen wir uns im Dezember zur offiziellen 50-Jahr treffen, eine Einladung dazu an alle Mitglieder erfolgt sobald die Einzelheiten bekannt sind.

Mit den besten Wünschen für einen schönen Sommer,

euer und Ihr

Hans-Peter Hauschild

 Start  Aktuelles  Information  Reisetipps  Adressen  Interessantes  INFO Dez. '11  INFO Juni '11  INFO Dez. '10  INFO Juni '10  Vorwort  Jana Marxen  Remdoogo  Uni Ouaga  ASW  Piéla  Saponé  50 Jahre  Lorum  INFO Dez. '09  INFO Mai '09  INFO Dez. '08  INFO Juni '08  INFO Dez. '07  Impfungen  Links in BF  Partner  Service  Satzung  Beitritt  Impressum