Baobab_rgb2
germanyC burkinaC1
Titel

Universitätsleben in Ouagadougou

Nicole Grimminger führte ein Gespräch mit einem Studenten

Fast nichts ist damals hier bei uns über die Studentenrevolte in Ouagadougou im Jahre 2008 bekannt geworden. Nicole Grimminger (Angestellte bei AMPO in Ouagadougou) sprach jetzt mit einem Germanistikstudenten, der kurz vor seinem Abschluss steht, darüber, wie sich die Situation an den Universitäten unseres Partnerlandes darstellt.

BWL-HörsaalDen Streik der 40.000 Studenten in Ouagadougou, unterstützte 2008 eine Studentengewerkschaft. Diese Gewerkschaft verlor nach diesem Streik Mitglieder und es gründete sich eine zweite Studentenvereinigung. Denn die Studenten merkten, dass sich ihre Situation nach diesem Streik verschlechtert und nicht verbessert hatte.

Die Studenten forderten größere Hörsäle, ausreichend Essen in der Mensa, größeren Einsatz der Dozenten (z. B. dass sie eine Vorlesung nicht in 10 Stunden abhalten, für die 50 Stunden vorgesehen sind), mehr Studentenwohnheime, mehr Stipendien von der Regierung.

Dieser Streik begann mit einem Marsch der Studenten, den die Regierung ignorierte. Anschließend wollten die Studenten das Büro des Uni-Präsidenten besetzen. Der rief die Polizei und die ging mit Tränengas gegen die Studenten vor. Die Studenten wehrten sich. Am 17. Juni 2008 schoss die Polizei auf die Studenten, wobei vier von ihnen verletzt wurden. Studenten schlugen daraufhin einen Polizisten sehr heftig und ließen ihn dann frei.

Als Reaktion darauf schloss die Regierung die Universität, die Mensa und die Wohnheime für drei Monate. Alle Bewohner mussten unverzüglich ihre Zimmer in den Wohnheimen verlassen. Die Regierung untersagte es der Bevölkerung, den Studenten in dieser Lage zu helfen. Die Gewerkschaft der Studenten verhandelte mit Marktleuten, um Essen für Studenten in schwierigen Lagen zu bekommen. Schwierigkeiten hatten vor allem jene Studenten, die ihr Geld vorsorglich in Mensa-Essensmarken angelegt hatten. Diese waren nun wertlos.

Ungefähr zehn Studenten wurden damals festgenommen, jedoch nach einer Gerichtsverhandlung auf Druck der anderen Studenten freigelassen. Am 17. September 2008 wurde die Uni wieder eröffnet, die Mensa und die Wohnheime eine Woche Wohnheimspäter. Viele Studenten trauten sich jedoch nicht mehr zurück in die Wohnheime, da sie erlebt hatten, wie schnell sie dieses Dach verlieren können. Viele hatten jedoch keine andere Wahl. Der damalige Direktor des CENOU (Centre National des Œuvres Universitaires, unserem Studentenwerk zu vergleichen) verlor seine Arbeit, da er die Studenten im Gefängnis mit Essen versorgt hatte.

In Burkina Faso gibt es drei Universitäten. Die Universität Ouagadougou verfügt über alle Fachrichtungen, die Universität in Bobo Dioulasso ist eine Technische und an der Universität Koudougou kann Romanistik und Geographie studiert werden. Die Studiengebühren betragen je Jahr 15.000 FCFA für einen Burkinabè und 250.000 FCFA für einen Ausländer (1 Euro = 655 FCFA). 250.000 FCFA kosten weiterführende Studien je Jahr, beispielsweise als Doktorand. Das Akademische Jahr dauert normalerweise jeweils von Oktober bis Juli. Mit Beginn des Akademischen Jahres 2010/2011 wird das Bachelor/Master-System eingeführt.

Die Universität Ouagadougou verfügt über ein Campus-Gelände, auf dem sich alle Fachrichtungen und viele Studenteninstitutionen befinden. Darüber hinaus befinden sich im SIAO (Salon International de l’Artisanat de Ouagadougou) Hörsäle des ersten und zweiten Jura- und BWL-Jahres. Diese (Zwischen-) Lösung wurde gewählt, da auf dem Campus keine ausreichend großen Hörsäle für diese Studenten vorhanden sind.

Auf dem Uni-Gelände gibt es ein Krankenhaus und eine Apotheke, die ihre Leistungen für die Studenten günstiger anbieten im Vergleich zu Krankenhäusern und Apotheken außerhalb des Campus. Insbesondere Stipendiaten profitieren, denn sie müssen nur 20% ihrer Kosten im Falle einer Krankheit zahlen und der Staat übernimmt 80%.

Zudem gibt es auf dem Campus Studentenwohnheime, die jedoch seit dem 17. Juni 2008 leer stehen. Sie sollen als Büroräume für die Universität hergerichtet werden. Als Ersatz hierfür wurde ein neues Studentenwohnheim bzw. Studentendorf gebaut, außerhalb des Uni-Geländes, am Stadtrand von Ouagadougou, mit 2- bis 5-Bett–Zimmern.

Anstehen in der MensaJeweils eine Mensa befindet sich sowohl auf dem Campus, auf dem Gelände des SIAO sowie in dem neuen Studentendorf. Die Mensen bieten einerseits zu wenige und andererseits kein gutes Essen an. Es werden ca. 10.000 Essen für 40.000 Studenten ausgegeben. Mindestens zwei Stunden vor Öffnung der Essensausgabe stellen sich die ersten Studenten an, um später ein Essen zu bekommen. Diejenigen, die sich diese Zeit sparen möchten und das nötige Geld haben, kaufen sich etwas zu Essen an den Kiosken auf dem Uni-Gelände. Ein Essen in der Mensa kostet 100 FCFA, der Staat zahlt pro Essen 600 FCFA dazu. Das Essen entspricht jedoch nicht dem Wert von 700 FCFA. Ein Essen an einem Kiosk kostet 300 FCFA.

Das Akademische Jahr 2008/2009 wurde Streik-bedingt erst im Februar 2010 beendet, weshalb auch erst Anfang März bzw. Ende März 2010 – je nach Fachrichtung – das Akademische Jahr 2009/2010 beginnen konnte. Das Programm für das Akademische Jahr 2009/2010 liegt vor, jedoch kann noch nicht gesagt werden, wann es tatsächlich beendet sein wird. Denn in der Regel gibt es jedes Jahr Streiks. Entweder streiken die Dozenten oder die Studenten. Dieses Jahr haben die Studenten bereits angefangen zu kritisieren. Da es darauf bisher noch keine Reaktionen seitens der Regierung gab, ist ein Streik wahrscheinlich.

Im Jahr 2009 streikten die Dozenten, unterstützt von der Gewerkschaft der Dozenten, von Februar bis April für bessere Arbeitsbedingungen. Da der Streik andauerte, musste die Regierung handeln. Das Parlament beschloss im Mai 2009, den Uni-Dozenten einen besonderen Beamten-Status zu gewähren, aus dem heraus Vorteile entstehen, beispielsweise höhere Löhne und günstigere Mieten. Ein Dozent verdient in Burkina Faso etwa 200.000 FCFA. Ein Professor etwa 400.000 FCFA. Dagegen verdient ein Professor in der Elfenbeinküste beispielsweise mehr als eine Million FCFA.

 Start  Aktuelles  Information  Reisetipps  Adressen  Interessantes  INFO Dez. '11  INFO Juni '11  INFO Dez. '10  INFO Juni '10  Vorwort  Jana Marxen  Remdoogo  Uni Ouaga  ASW  Piéla  Saponé  50 Jahre  Lorum  INFO Dez. '09  INFO Mai '09  INFO Dez. '08  INFO Juni '08  INFO Dez. '07  Impfungen  Links in BF  Partner  Service  Satzung  Beitritt  Impressum