|
Burkina Faso feiert 50 Jahre Unabhängigkeit
http://www.bonncampus.fm/themen/international/burkina_faso_feiert_50_jahre_unabhaengigkeit/
Es ist Mittag und der Marktplatz von Zogona ist immer noch halb leer. Kumbou hat noch kein einziges Tuch verkauft und ihre Sorgen werden größer, je näher der Sonnenuntergang rückt. „Die Kunden kommen und gehen, ohne etwas gekauft zu haben. Manche finden die Preise zu hoch aber wenn ich sie senke, werde ich meine Schulden nicht zurückzahlen können,“ erzählt die 37-Jährige mit einem traurigen Gesicht. In Burkina Faso sind 52% der Bevölkerung Frauen. Viele von ihnen arbeiten wie Kumbou auf dem Markt, wo sie Gemüse, Obst oder Stoffe verkaufen.
Seit dem Tod ihres Mannes muss sich die Frau alleine um ihre zwei Söhne kümmern. Sie bekommt weder Hilfe vom Staat noch von ihrer Familie. „Mein Geschäft läuft nicht mehr so gut. Ich habe den Eindruck, viele Leute haben kein Geld mehr. Früher haben wir viele Tücher verkauft aber jetzt nicht mehr,“ sagt Kumbou. „Manchmal gehe ich nach Hause, ohne ein einziges Tuch verkauft zu haben. Ich muss die Schulgebühren für meine Kinder bezahlen sonst werden sie von der Schule verwiesen,“ erzählt die Frau weiter.
Der Ché Guevara Afrikas
Heute feiert Burkina Faso 50 Jahre Unabhängigkeit. Das westafrikanische Land wurde am 5. August 1960 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen. Aber unter dem ersten Präsidenten Maurice Yaméogo und seinen drei Nachfolgern änderte sich weder etwas an der Abhängigkeit zu Frankreich noch an dem erbärmlichen Leen der Menschen in dem Land.
Dann übernahm 1983 Thomas Sankara die Macht. Er wollte das Land aus der de facto immer noch bestehenden Abhängigkeit befreien, die veralteten Stammesstrukturen aufbrechen und die Frauen des Landes mit ihren Männern gleichstellen. Außerdem sollten nicht mehr nur die Söhne der Reichen lesen und schreiben lernen, sondern alle Menschen sollten gleichermaßen Zugang zu Bildung haben. Unter Thomas Sankara wurde der alten Name „Obervolta“ in „Burkina Faso“ geändert, was auf deutsch „das Land der ehrenwerten Menschen“ bedeutet. Im Jahr 1987 wurde Sankara bei einem Putsch ermordet. Seitdem regiert Blaise Compaoré das Land in gewohnter Manier. Thomas Sankara wird auch der „Ché Guevara Afrikas“ genannt und hat den ganzen Kontinent mit seiner Ideologie geprägt. Nur 10% der Bevölkerung Burkina Fasos hat eine höhere Bildung genossen, der Rest lebt von Landwirtschaft oder macht Geschäfte wie Henri Ouédraogo. Für den 35-jährigen Händler auf dem Markt von Nabiyaaré ist die Zukunft unsicher: „Der Markt funktioniert nicht mehr wie früher. Viele meiner Nachbarn haben ihre Geschäfte geschlossen. Ich kann nicht mehr viel verkaufen, ich habe nur noch Schulden auf meinen Schultern. Ich weiß nicht, wie es weiter geht.“
Außerdem sind viele junge Menschen arbeitslos und ohne Perspektive. Einer von ihnen ist Dramane Dabo. Er will das Land verlassen. Dramane Dabo ist 28 Jahre alt und hat eine Ausbildung als Mechaniker gemacht. Trotz zahlreicher Praktika findet er keine feste Anstellung. „Ich habe die Nase voll. Überall wird meine Bewerbung abgelehnt und alle Firmen wollen, dass ich ohne Geld ein Praktikum mache und am Ende lassen sie mich sitzen. Ich habe eine Frau und ein Kind zu ernähren. Ich denke oft ans Auswandern,“ sagt der Vater einer fünfjährigen Tochter.
Burkina Faso hat 15,7 Millionen Einwohner und zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Seit der Unabhängigkeit versucht das Land auf eigenen Beinen zu stehen. Gastfreundschaft und Bescheidenheit gehören zu den Eigenschaften der Menschen aus Burkina Faso. Französisch ist die Amtssprache. Allerdings gibt es auch zahlreiche lokale Sprachen wie zum Beispiel „Mooré“, die zweitwichtigste Sprache des Landes.
In der Hauptstadt Ouagadougou leben etwa 1,5 Mio Menschen. Sie gilt als sicher und stabil. Ouagadougou ist das Zentrum für die Verwaltung, Wirtschaft und Kultur. Die lebhafte Metropole und organisiert alle zwei Jahre das panafrikanische Film- und Fernsehfestival (FESPACO) und die internationale Messe für Kunsthandwerk (SIAO).
Die Feier findet in Bobo Dioulasso statt
Bekannt als Schmelztiegel der Kulturen in Westafrika und mit einer Vielzahl Naturschutzgebieten in der Umgebung ist Bobo Dioulasso im Südwesten des Landes eine Touristenattraktion. Die Stadt ist mit ihren 554.000 Einwohnern die zweitgrößte Metropole von Burkina Faso. Hier findet auch die 50-Jahrfeier statt.
Unter dem Motto „Erinnerung und Hoffnung“ hatten die Vorbereitungen für die Feier zum Jahrestag Ende März begonnen. Für den Empfang des Präsidenten und seines Gefolges soll alles perfekt sein. Alle sind gespannt über die Rede von Blaise Compaoré.
Nach 23 Jahren an der Macht sind die Erwartungen der Menschen sehr hoch. Heute wird gejubelt, getanzt und auf marschiert. – Aber was hat die Unabhängigkeit gebracht? Die Leute verstehen nicht, warum sie nach 50 Jahren immer noch ohne Strom und sauberes Trinkwasser leben müssen und warum ihre Kinder wegen zu hoher Schulgebühren zu Hause bleiben müssen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung muss mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen.
|