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Zeit für Rückblicke
Jahrestage sind eine Gelegenheit, sich zu besinnen und zurück zu blicken. Nachdem am 11. Dezember 2008 der 50. Jahrestag der Staatsgründung von Haute Volta (Obervolta) zu begehen war, gilt es dieses Jahr 50 Jahre Unabhängigkeit zu feiern, in Burkina Faso wie auch in 16 weiteren afrikanischen Ländern, ehemaligen französischen oder britischen Kolonien. Anhand verschiedener Veröffentlichungen können wir noch einmal Revue passieren lassen, wie alles gekommen ist und was sich verändert hat. So hat Hans Peter Hauschild in der Burkina Info vom Dezember 2008 („Burkina Faso – 50 Jahre Staatlichkeit“) die Geschichte von Obervolta/Burkina Faso vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gründung der Republik nachgezeichnet. Das Magazin Lo’Nam brachte über mehrere Ausgaben hinweg zu jedem der in diesem Jahr unabhängig gewordenen afrikanischen Staaten eine kurze geschichtliche Übersicht seit Beginn der Kolonialzeit. Der Beitrag zu Burkina Faso von Mareen Brauer erschien im Heft April/Mai 2010 (siehe Zitat im Burkina Info Juni 2010: „Afrika: 50 Jahre Unabhängigkeit. Burkina Faso: Der Weg zum Land der Aufrichtigen.“). Im Heft Nr. 2565 von Jeune Afrique (7.-13. März 2010) erschien als zweite Folge der Serie „Qu’avez-vous fait de vos 50 ans?“ auf vier Seiten ein Beitrag zu Burkina Faso mit dem Titel „Des Voltaïques aux hommes intègres“. Die Epoche unter Thomas Sankara wird dabei besonders gewürdigt.
Im Juni-Heft 2010 von Afrique Magazine (Nr. 297) erschien ein Dossier mit dem Titel „Burkina. Ce qui a changé“. Auf 16 reich illustrierten Seiten wird über jüngere Entwicklungen z.B. in Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit, Verkehr und Infrastruktur, Tourismus und Gold-Gewinnung berichtet. Der Artikel zieht Bilanz über die Ära Compaoré, die überaus positiv ausfällt. Es wird kein Zweifel daran gelassen, dass Compaoré nach den bevorstehenden Wahlen eine vierte Amtszeit antreten wird. Es wird der wirtschaftliche Aufschwung hervorgehoben, dafür stehen der Aufbau und Ausbau von Ouagadougou, z.B. Flughafen und zweites Universitätsklinikum. Viele akademisch ausgebildete Burkinabé kämen aus dem Ausland in ihre Heimat zurück, weil es für sie jetzt berufliche Chancen gebe. Für die wirtschaftliche Zukunft spiele das Gold eine wichtige Rolle: Zwischen 2003 und 2009 seien Förderlizenzen an Gesellschaften aus Australien, USA, Kanada, Südafrika, Großbritannien, Japan … ergangen. 2009 sei für 180 Milliarden CFA Gold exportiert worden, verglichen mit Baumwolle für 120 Milliarden CFA. Weitere Details aus dem Artikel:
Verkehr und Infrastruktur: Der Ausbau von Straßen ist wichtig, um die Transportkosten für die landeseigenen Produkte zu reduzieren und den privaten Wettbewerb zu fördern. An Straßenprojekten werden hervorgehoben der geteerte Ausbau der Strecken Koudougou-Dédougou und Dori-Seytanga-Grenze-Niger, sowie der Ausbau Ouagadougou-Pô-Grenze-Ghana. Ouagadougou: „Der Präsident Compaoré hat sein Quartier im neuen Präsidentenpalais bezogen, und Ministerien und Botschaften dürften bald in der Nähe aus dem Boden sprießen.“ Die Arbeiten am künftigen Wirtschaftsministerium sind fortgeschritten, und hier entsteht auch das Luxushotel der Hauptstadt, das Laico Ouaga 2000 (Gruppe Lybian Arab Investment Company). Hervorgehoben wird weiter die Barrage von Ziga, die als eines der teuersten Projekte in der Geschichte Burkina Fasos die Wasserversorgung von Ouagadougou gewährleistet, dessen Bevölkerung 2004 auf 1,2 Millionen angewachsen war. Da der bestehende Flughafen nicht weiter ausgebaut werden kann, ist man auf der Suche nach einem neuen Standort, vorgesehen sei Donsin, 30 Kilometer nördlich von Ouaga. In Bobo Dioulasso ist letztes Jahr der „port sec“, ein Eisenbahn- und Busbahnhof, auch genannt „Boborinter“, eingeweiht worden, der die wirtschaftlichen Aktivitäten in der Region verbessern soll.
Landwirtschaft: Burkina Faso ist dank verschiedener landwirtschaftlicher Kampagnen den düsteren 1990er Jahren entkommen, wo konstant Versorgungsdefizite zu verzeichnen waren. Die klimatischen und regionalen Unterschiede sind weiter vorhanden, aber viele Bauern versuchten, durch eine breitere Produktpalette unabhängiger zu werden. Während frisches Gemüse wie z.B. grüne Bohnen aus Burkina auf den europäischen Märkten verschwunden
ist, werden Anstrengungen unternommen, Fruchtkonserven und Fruchtsäfte made in Burkina zu exportieren, in die arabischen Länder und auch nach Europa. Die Baumwolle, die 70% der Exporte ausmacht, bleibt der „Star“ [inzwischen hinter dem Gold?]. Drei Millionen Menschen leben direkt oder indirekt davon. An zweiter und dritter Stelle der Exportgüter stehen das Vieh und die Karité-Butter.
Gesundheit: Die Pläne für ein neues Universitätsklinikum in Ouagadougou gehen auf das Jahr 1984 zurück, doch bisher hatten die Mittel dafür gefehlt. Die Realisierung geht jetzt auf das Ver sprechen des Präsidenten Compaoré anlässlich der Wahlen 2005 zurück. Ziel ist es, Kranke nicht mehr in den Maghreb und nach Europa zur Behandlung ausfliegen zu müssen, was hauptsächlich Unfallopfer betrifft und 2009 eine Milliarde CFA kostete. Die Anlage wird im einstöckigen Pavillon-Stil erstellt mit Zugangsrampen und Verbindungsstegen. Der Verzicht auf Stockwerke mit Aufzügen soll viel Energie einsparen helfen. Probleme kann es mit der personellen Besetzung der 600 Betten um fassenden Chirurgie geben, hier hofft man auch auf die Kompetenz von Burkinabé aus dem Ausland, und auf andere externe Spezialisten. Außerdem werden Finanzierungsquellen für die Ausstattung gesucht. Angesichts der durch die Flutkatastrophe verursachten Schäden im Klinikum Yalgado-Ouédraogo wird die Eröffnung des neuen Zentrums umso mehr herbeigesehnt. Es wird auch einen Hubschrauberlandeplatz geben und einen Pavillon für Patienten „qui peuvent mettre la main à la poche“. Und schließlich werden sich eine katholische und eine evangelische Kirche einen Platz mit einer Moschee teilen. „Wir haben keine Probleme mit den Religionen in Burkina“ bemerkt Dr. Zida amüsiert, der Direktor der öffentlichen Krankenhäuser.
Bildung: Es wird über das „institut international de l’ingénierie de l’eau et de l’environnement“ berichtet, das in der gegenwärtigen Form seit 2006 besteht, durch Fusion aus zwei Ingenieurschulen hervorgegangen und unter dem Direktor Paul Guiniès sehr erfolgreich und renommiert geworden ist. Im Jahr 2009/2010 bildete das Institut 869 Studenten aus, in diesem Jahr kamen die Bewerber aus 31 Ländern, darunter Frankreich, Italien, Marokko, Haïti.
Tourismus: Im Jahr 2009 kamen 350 000 Touristen nach Burkina Faso. Diese Zahl soll deutlich anwachsen. Angesichts des neuen Flughafens und der gut entwickelten Hotellerie soll Ouagadougou das Geschäfts- und Konferenzzentrum in Westafrika werden.
Bernhard Geiselmann
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