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Die mobile Revolution
Aus „Maanawana“ Nr. 20, von Leon Jander, welt-wärts-Freiwilliger in Arbollé, Hrsg. Service Allemand de Développement – DED
Nach einigen Monaten ohne Strom, entschloss sich der DED Ende 2008 mir in Arbollé (80km nordwestlich von Ouagadougou, an der Route nationale 2 Richtung Ouahigouya) eine kleine Solaranlage auf das Dach zu setzen. Was als einfache Unterstützung für mein Leben gedacht war, entwickelte sich schnell zu einer Einnahmequelle für meine Kollegen vor Ort, deren Gehälter sehr niedrig sind.
Das Mobiltelefon hat das Leben der „Dörfer“ in jeder Hinsicht verändert. Sie geben nun Unmengen an Geld für das Aufladen der Handys, für die Telefonate und SMS aus. Aufgeladen werden die Handys nämlich an Ladestationen, mit denen einige jetzt ihr Geld verdienen. Diese Leute haben entweder in Solarplatten investiert oder besitzen einen Generator. Arbollé ist bis jetzt noch nicht an das staatliche Stromnetz der Sonabel angeschlossen.
Da meine Kollegen von ihrem Gehalt nicht leben können, habe ich, zusammen mit einem französischen Freiwilligen, die „Haushaltskasse“ eingeführt. Die Solaranlage wird nun auch zum Aufladen von Mobiltelefonen genutzt, wofür wir 100 Francs CFA verlangen. Mit diesem Geld werden dann Lebensmittel und andere Gebrauchsgegenstände für den gemeinschaftlichen Bedarf gekauft.
Die Installation der Solaranlage durch den DED hat meinen Kollegen aber nicht nur finanziell etwas gebracht. Des Weiteren lernen sie, mit dem Geld zu haushalten: Jede Einnahme und jede Ausgabe werden notiert, um den Überblick über die Kasse zu behalten. Jede Ausgabe muss außerdem schriftlich auf der Liste festgehalten und begründet werden. Für mich persönlich ist es eine finanzielle Erleichterung, weil ich dadurch nicht mehr eine ganze Kleinfamilie ernähren muss, wie es anfangs der Fall war.
Die mobile Revolution hat also viele, positive Auswirkungen. Wie auch in Deutschland gibt es aber einige Nachteile, von denen sich einige sehr stark auf das Leben der ärmeren Bevölkerung auswirken. Dazu gehören vor allem die erhöhten Ausgaben: Die Menschen wohnen in kleinen, schlecht gebauten Hütten, können sich nur eine Mahlzeit pro Tag leisten, ein Handy muss aber jeder aus der Familie besitzen.
Ein kulturell bedingter Faktor erhöht die Ausgaben weiterhin: In Burkina Faso erfordert es die Freundlichkeit, dass man mindestens ein Mal pro Woche seine auch noch so weit entfernten Bekannten anruft, um ihnen zu zeigen, dass man an sie denkt.
Auch steht das Telefon meiner Meinung nach oft schon über allem. So ist es kein Problem, im Kino oder Theater einen Anruf entgegen zu nehmen, nachdem das Handy schon zum zweiten Mal in voller Lautstärke geklingelt hat. Und auf dem Land zeigt sich diese Revolution daran, dass auch in den entferntesten Regionen Handymasten aufgestellt wurden.
Aber das ist Teil der Globalisierung.
Die Welt rückt näher zusammen, ich kann jede Woche mit meinen Eltern in Deutschland telefonieren, die Hebamme aus Arbollé telefoniert fast täglich mit ihren Kindern in Italien und Frankreich und die Spendervereine aus Deutschland und anderen Ländern können die Bevölkerung direkt anrufen und sich über die Entwicklung ihrer Projekte informieren.
In diesem Kontext zwischen Tradition und Moderne hat das Telefon meiner Meinung nach eine gute Position ein genommen. An das Bild des alten Dorfchefs mit einem Mobiltelefon am Ohr muss man sich trotzdem erst gewöhnen...
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