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Titel

THEMA BAUMWOLLE

Wer mischt den Markt in Burkina Faso auf ?

In Burkina Faso bestimmen drei Unternehmen und eine Gewerkschaft das Geschehen auf dem Markt. Das war nicht immer so, denn erst 2004 kam es aufgrund von Vorgaben der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zu einer Aufteilung von Sofitex, bis 2004 Monopolist in Burkina Faso. Nun ist Sofitex im Westen des Landes tätig, Socoma im Osten und Faso Coton in der Landesmitte. Als Vierter im Bunde ist die Bauerngewerkschaft UNPCB dabei. Statt einem Mo­ nopolisten gibt es nun drei und eine Gewerkschaft die mit etwa 20 Prozent an den Firmen beteiligt ist. Diese Vier legen jedes Jahr den Baumwollpreis fest. Wie das überall auf der Welt so üblich ist, gibt es unterschiedliche Qualitäten, nach denen die gepflückte Baumwolle bewertet und bezahlt wird.

Die FAZ hhat es ganz honorig ausgedrückt: „Dass den Bauern oftmals der niedrigste Preis gezahlt werde, die Sofitex-Aufkäufer ihre Ware aber zum Höchstpreis weiterreichen, ist ein unbestätigtes Gerücht“.

Zu diesem Verbund gehören auch die Anlagen zur Entkernung der Baumwolle. Die Baumwollsamen, die in denSamenhaare kleben, müssen getrennt werden. Hien, der Bauer, auf den die FAZ ihren Bericht aufbaut, Baumwolle1müsse „seine Wolle über Sofitex entkernen lassen. Außerdem muss er alle Produkte über Sofitex ordern“ das ist zum Beispiel beim Dünger ein Problem, denn „manchmal strecken die Lieferanten vor Ort den Dünger mit Wasser und verkaufen den Rest privat weiter“, wird ein sogenannter Techniker der UNPCB, der die Bauern beim Anbau beraten soll, zitiert.

Sofitex, Faso Coton, Socoma und die Gewerkschaft UNPCB – diese vier Akteure herrschen gewissermaßen über einen Großteil der Bevölkerung in Burkina Faso.

Sofitex hält Hof in Bobo Dioulasso, der Chef heißt Célestin Tiendrébéogo. Er soll der beste Freund des Bürgermeisters sein. Tiendrébéogo wohne dort in einer großen Villa. Das Ausmaß von Tiendrébéogos Residenz beschreibt die FAZ als so gigantisch, dass sie eine kleine Universität beherbergen könnte. Die Scheiben des Palastes funkeln, in ihnen spiegele sich die triste Umgebung des staubigen Stadtrands.

In der Hauptstadt Ouagadougou halte die Firma Faso Coton die Kontrolle über die Baumwolle. Der Präsident von Faso Coton Lanssina Konate war früher bei Sofitex angestellt. „Durch die Privatisierung sind wir effizienter geworden“, sagt Konate der FAZ und erklärt, warum es den Bauern im Land trotzdem schlechter geht denn je. Die Milliardensubventionen der EU seien schuld und die all der anderen reichen Industrienationen, in denen Baumwolle angebaut wird. Auch China wird immer bedrohlicher für uns" wird Konate zitiert.

Jetzt wird die FAZ deutlich und fragt: „Und was ist mit überteuertem Saatgut? Mit Wasser verdünntem Dünger? Gestiegenen Marketingkosten? Knebelverträgen mit Analphabeten?“ Konate hat auch hier eine Erklärung: „Vor Ort regelt alles die UNPCB, wir zahlen das Geld gar nicht aus“, erklärt Konate. Dass viele Bauern monatelang auf ihr Geld warteten, davon habe er allerdings gehört.

Noch schärfer wird der Ton bei der Bauerngewerkschaft UNPCB. Diese sieht die Schuld an der Misere ebenfalls im Ausland. Der Vorsitzende Francois Traoré (gleichzeitig Präsident der Vereinigung afrikanischer Baumwollerzeuger) wetterte 2003 beim WTO-Treffen in Cancún gegen die westliche Subventionspolitik. Unterstützung erhielt er dabei aus Benin, Mali und Niger – der „Initiativgruppe für fairen Baumwollhandel“. „Ihr tötet uns“, pflegt Traore zu sagen.

2006 hat sich die UNPCB mit den Baumwollfirmen zur „Association interprofessionelle du coton au Burkina“ zusammengeschlossen. Die Effizienz bleibt bei so viel Vermischung vermutlich auf der Strecke und die Bauern bezahlen.

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