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Wo Kinderkriegen tödlich ist
Die häufigste Todesursache bei Frauen in Subsahara-Afrika
Während in entwickelten Ländern die Geburt eines Kindes zumeist ein fröhliches und hoffnungsvolles Ereignis darstellt, ist sie für Frauen in vielen ärmeren Ländern darüber hinaus ein lebensgefährlicher Vorgang. Jedes Jahr sterben weltweit über 500.000 Frauen in Folge einer Schwangerschaft oder Geburt. 99 Prozent der Sterbefälle werdender Mütter betreffen Frauen in Entwicklungsländern - und dort vor allem jene, die in einem afrikanischen Land südlich der Sahara leben. In dieser ärmsten Region der Welt finden mehr als die Hälfte aller Sterbefälle statt. Das lebenslange Risiko einer Frau, im Zuge einer Schwangerschaft oder Geburt zu sterben, liegt dort bei eins zu 22 - in den entwickelten Ländern nur bei eins zu 6.000. Wenn Frauen also wie etwa in Niger im Mittel sieben Kinder bekommen, bedeutet dies für jede dritte Frau den Tod. Damit ist Kinderkriegen in Subsahara-Afrika heute die häufigste Todesursache unter Frauen zwischen 15 und 49 Jahren.
Nicht nur die Frauen gehen mit jeder Schwangerschaft ein hohes Risiko ein. Auch ihre Kinder werden in lebensgefährliche Verhältnisse geboren. Neun Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben jährlich in Entwicklungsländern, mehr als die Hälfte von ihnen auf dem afrikanischen Kontinent. Die Säuglingssterblichkeit liegt in den Ländern südlich der Sahara der Weltbank zufolge bei 81 Kindern pro 1.000 Lebendgeburten - in der Demokratischen Republik Kongo, dem Land mit der höchsten Säuglingssterblichkeit in der Region, sind es sogar 126. In Deutschland dagegen sterben im Schnitt weniger als vier Kinder pro 1.000 Lebendgeburten in ihrem ersten Lebensjahr.
Dabei hat die internationale Staatengemeinschaft die Probleme schon seit längerem erkannt. Sowohl die Reduzierung der Kindersterblichkeit wie auch die der Müttersterblichkeit stellen eigenständige Punkte unter den acht im Jahr 2000 formulierten Entwicklungszielen dar. Bis 2015 soll die Kindersterblichkeit gegenüber dem Jahr 1990 um zwei Drittel und die Müttersterblichkeit um drei Viertel gesenkt werden, so der ehrgeizige Plan. Doch gerade bei der Bekämpfung der Müttersterblichkeit zeigen sich in Subsahara-Afrika kaum Erfolge. In einigen Ländern, darunter die Demokratische Republik Kongo, Kenia und Simbabwe, lag die Müttersterberate im Jahr 2008 sogar höher als im Ausgangsjahr 1990.
Senkung der Müttersterblichkeit schon mit einfachen Mitteln möglich
Viele dieser mütterlichen Todesfälle wären recht einfach zu vermeiden. Allein eine Verbesserung der hygienischen und medizinischen Begleitumstände bei Schwangerschaft und Geburt könnte etliche Menschenleben retten. Hebammen und Krankenschwestern können starke Blutungen stoppen, auf die insgesamt mehr als ein Drittel der Müttersterbefälle zurückzuführen ist. Doch in vielen Ländern Subsahara-Afrikas ist es an der Tagesordnung, dass Frauen ihre Kinder allein oder im Kreis der Familie zu Hause zur Welt bringen. Oft auch deshalb, weil das nächste Krankenhaus weit entfernt ist oder sie eine Hebamme nicht bezahlen können.
Maßgeblichen Einfluss auf die vielen Sterbefälle haben aber auch die hohe Anzahl der Geburten und der kurze Abstand zwischen ihnen, wodurch Mütter und Kinder geschwächt werden. Im Schnitt bekommt eine Frau in Subsahara-Afrika 5,2 Kinder. Das Risiko der Müttersterblichkeit ist zweieinhalb Mal höher, wenn zwischen Geburt und erneuter Schwangerschaft weniger als fünf Monaten liegen.
Dabei ist die Anzahl der ungewollten Schwangerschaften extrem hoch. Schätzungen zufolge fehlt 35 Millionen Frauen in Subsahara-Afrika der Zugang zu Verhütungsmitteln - sei es aus finanziellen, logistischen oder sozialen Gründen. Das ist auf die einzelnen Länder gerechnet zwischen einem Drittel und einem Fünftel aller verheirateten Frauen zwischen 15 und 49 Jahren.
Gutscheine für Gesundheit
In Kenia ist es durch ein Gutscheinsystem gelungen, ungewollte Schwangerschaften zu verringern und die Überlebenschance von Müttern zu verbessern. Für etwas mehr als einen US-Dollar können von Armut betroffene Kenianerinnen einen Gutschein für Familienplanungsangebote kaufen, der von der Beratung über verschiedene Verhütungsmittel bis hin zum Krankenhausaufenthalt wegen einer Sterilisation alles umfasst.
Die Gutscheine gibt es auch für eine professionelle Schwangerschaftsbetreuung inklusive Geburtshilfe und wenn nötig Kaiserschnitt sowie Nachsorge für Mutter und Kind nach der Geburt. Bei Komplikationen können durch den Gutschein weitere Leistungen in Anspruch genommen werden, ohne dass für die betroffene Familie zusätzliche Kosten entstehen. Dadurch können die Gutscheine Frauen das Leben retten, die sich sonst keine medizinische Hilfe leisten können. Finanziert wird das Programm durch die deutsche KfW-Entwicklungsbank, die eng mit der kenianischen Regierung zusammenarbeitet. Die Gutscheine gibt es in Kenia schon seit fünf Jahren. Sie könnten auch in anderen afrikanischen Ländern einen effektiven Beitrag dazu leisten, die Müttersterblichkeit zu senken.
Quelle: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, Schillerstr. 59, 10267 Berlin
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