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Titel

40 Jahre Gemeinde Aukrug - 16 Jahre Partnerschaft Aukrug-Sien

Gewachsene Freundschaft schafft Gutes

Eine Jahrestagung ehemaliger Entwicklungshelfer aus Burkina Faso war 1991 den Anlass für die Gemeinde Grundschule-im-BauAukrug an einer Partnerschaft mit der Gemeinde Sein in Burkina Faso zu arbeiten. Anwesend war damals auch die Botschafterin Burkina Fasos, Sophie Sow. Angenehm berührt von der herzlichen Aufnahme in Aukrug äußerte die Botschafterin den Wunsch, dass zwischen ihrer Heimatgemeinde Sien in Burkina Faso und der Gemeinde Aukrug eine kommunale Partnerschaft entstehen möge.

Die Zustimmung des Gemeinderates war damals kein Problem. Erst einmal genügte ein Budget von tausend Mark. Nach einem Besuch in der Bonner Botschaft Burkina Fasos durch Heidemarie Seider, Karin Rathjens, Branko Irek und Reimer Reimers (1992) und Austausch von Informationsmaterialien zwischen den Dörfern Sien und Aukrug flogen im Sommer 1993 Karin Rathjens, Branko Irek und Reimer Reimers nach Burkina Faso um das Dorf Sien zu besuchen. Nach der Rückkehr und einem Bericht vor der Gemeindevertretung beschloss diese 6000,- DM im Haushalt 1994 zur Förderung von Hilfsprojekten in Sien bereit zu stellen.

Am 3. Februar 1994 gründeten 14 BürgerInnen den Verein „Partnerschaft Aukrug-Sien e.V.".Heute hat der Verein 76 Mitglieder. Die Gemeinde Aukrug trat diesem Verein bei und ist laut Vereinssatzung und Beschluss der Gemeindevertretung mit vier zusätzlichen Beisitzern (pro Fraktion ein Vertreter) im erweiterten Vorstand stimmberechtigt vertreten.

Von Beginn an entwickelten sich die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Dörfern in vertrauens- und respektvoller Atmosphäre. Viele kleine und mittlere Projekte wurden in Sien erfolgreich durchgeführt.

Zahlreiche Aukruger Delegationen besuchten immer auf eigene Kosten das Partnerdorf Sien, darunter auch eine Gruppe von vier Aukruger Schülern. Auch aus Sien besuchten eine Gruppe von vier Erwachsenen und zwei Jahre später vier SchülerInnen die Gemeinde Aukrug. Aufgrund des so entstandenen Vertrauens beschlossen beide Gemeinden im Dezember 1997 einen offiziellen Freundschafts- und Partnerschaftsvertrag abzuschließen. Diese kommunale Partnerschaft wurde vom Bürgermeister der Gemeinde Aukrug, vom Vorsitzenden des Vereins Partnerschaft Aukrug-Sien und von Vertretern des lokalen Partnerschaftskomitees Sien unterschrieben. Bei der Unterzeichnung in Sien waren höchste Vertreter des Landes anwesend. Der Partnerschaftsvertrag fixierte im Wesentlichen folgende Ziele und Grundsätze: Aktiver Meinungsaustausch und Vermittlung von Informationen, Kulturaustausch, Zusammenarbeit der Schulen, wirtschaftliche Kontakte, Gestaltung und Schutz der Umwelt, Ausbau kommunaler Einrichtungen, Förderung von Kontakten und Besuchen zwischen Bürgerinnen und Bürger beider Dörfer.

Diese Ziele wurden in den Folgejahren bis heute durch zahlreiche Projekte und Aktionen erfolgreich umgesetzt, um nur einige davon zu nennen: Errichtung einer Tierimpfstation, Einrichtung eines Kleinkreditfonds, Renovierung der Lehrerwohnungen, Bau eines Versammlungshauses, gezielte Frauen- und Mädchenförderung, wiederholte Nahrungsmittelhilfen in Dürre- und Notzeiten, Sanierung der öffentlichen Toiletten, Wasserpumpenreparaturen, Förderung der Geflügelzucht.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit in diesen „kleineren" Projekten schuf die Basis für die Verwirklichung eines großen Planes: Bau eines Regenwasserrückhaltebeckens um die immer schlimmer werdenden Folgen des Klimawandels im Sahelbereich und südlich davon, Versteppung und Hungersnöte, für das Dorf abzumildern.

Mit ca. 50 % Fördermitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und zusätzlicher Unterstützung durch die Bingo-Lotterie konnte von 2003 bis 2005 ein 800 x 200 m grofertige-Grundschuleßes Regenwasserrückhaltebecken gebaut werden. Die übrigen Anteile für die Finanzierungskosten in Höhe von 75.000 € kamen von der Gemeinde, vom Partnerverein Aukrug-Sien (Beiträge und Spenden) und durch erhebliche Eigenleistung der Einwohner Siens. Heute hat sich die Wasser- und Ernährungssituation stark verbessert.

In unmittelbarer Nähe des Rückhaltebeckens wurde eine 10.000 m2 große Gartenbaufläche mit fünf Brunnen geschaffen, die von allen Familien des Dorfes anteilig gegen eine Pachtgebühr genutzt werden kann. Seitdem mussten keine Lebensmittelhilfen mehr geleistet werden. Das Dorf kann sich zur Zeit selbst versorgen.

Der erfolgreiche Abschluss dieses Projektes spornte für die Verwirklichung eines weiteren „Großprojektes" an. 2008 begann der Neubau von drei Schulklassen und drei Lehrerwohnungen, damit endlich alle Schulklassen einen eigenen Raum bekämen und drei weitere Lehrer ins Dorf geschickt würden. Bis dahin wurden sechs Schulklassen (ca. I 80 Schüler) in drei Räumen von drei Lehrkräften unterrichtet. Heute sind die Räume fast fertig. Es sind sechs Lehrer im Dorf. Die Bildungssituation hat sich enorm verbessert. Nach einer auskömmlichen Lebensmittelversorgung ist die Verbesserung der Bildungssituation die wichtigste Aufgabe in ganz Burkina Faso.

Die Finanzierung dieses Projekts in Höhe von 65.000 € konnte wieder mit erheblichen Fördermitteln des BMZ (49.000 €) sicher gestellt werden. Derzeit läuft ein weiteres größeres Projekt, das unter dem Schirm von Rotary Neumünster Vicelin jetzt genehmigt wurde: Die Vergabe von Mikrokrediten an Männer und Frauen aus dem Dorf aus einem Gesamtetat von 10.000 € an die Dorfbewohner um kleine handwerkliche und landwirtschaftliche zusätzliche Einnahmequellen zu schaffen. Die Umsetzung soll in den nächsten zwei Jahren erfolgen.

Diese unvollständige Übersicht zeigt:

- Die Gemeinde Aukrug hat mit der offiziell vor gut 1 2 Jahren schriftlich besiegelten Partnerschaft im Bereich „Kommunale Völkerverständigung richtungweisend Neuland betreten.

- Die kommunale Partnerschaft zwischen Aukrug in S.-H. und Sien in Burkina Faso ist fest etabliert und anerkannt.

- Der Gemeinde Sien ist vor zwei Jahren für ihre Bemühungen um Verbesserung ihrer sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Situation  vom Präsidenten Burkina Fasos der höchste nationale Verdienstorden („Chevalier de l'Ordre de Merite National") verliehen worden. Bei der Ordensverleihung wurde ausdrücklich gewürdigt, dass in diese Auszeichnung auch die Partnergemeinde Aukrug mit eingeschlossen sei.

- Die große finanzielle Förderung und ideelle Unterstützung durch Aukruger Bürger und Einrichtungen zeigt, dass diese Partnerschaft inzwischen breite Zustimmung und Sympathien genießt.

- Die vielen Vereinsmitgliedschaften aus Orten außerhalb Aukrugs beweisen, dass die Partnerschaft über Aukrug hinaus Anerkennung und Unterstützung findet, Anerkennung auch auf Kreis- und Landesebene, geäußert von maßgeblichen Politikern aller Parteien, u.a. auch vom Ministerpräsidenten.

Reimer Reimers, www.aukrug-sien.com

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