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Titel

THEMA BAUMWOLLE

Alles Öko und die Welt wird gut?

 Einen Weg aus der Misere der burkinischen Baumwollpflanzer beschreibt die FAZ ebenfalls. Ein positives Beispiel ist die Schweizer Nichtregierungsorganisation „Helvetas“ mit ihrem Bio- Baumwollprogramm. Auf chemische Pestizide werde verzichtet und als Dünger Kuhmist verwendet. Abnehmer seien Fairtrade-Organisationen wie „Transfair“. Fünf Cent werden für jedes Kilo Baumwolle zusätzlich an den Dorfvorstand gezahlt. Finanziert werden damit lokale Entwicklungsprojekte.

Cosma Shiva Hagen ist das Zugpferd des Otto-Versandes. Auch hier spielt Öko mittlerweile eine Rolle. Zu einer persönlichen Stellungnahme war die Schauspielerin aus Hamburg allerdings nicht zu bewegen.

Wie es mit dem Hess Natur Versand weitergeht, steht in den Sternen. Der seit Jahren zum – in Abwicklung befindlichen – Arcandor-Konzern gehörende Versender soll zwar von der Insolvenz nur am Rande betroffen sein, aber noch ist nicht klar, wie es nun weitergeht.

Zurück zum Thema: Bio-Baumwolle die fair bezahlt wird, das hört sich gut an. Aber ist es eine Lösung für Bauern wie Gabriel Hien? Es scheint so, dass eine gehörige Portion Glück dazu gehört, um in den Kreis der Erlauchten zu kommen. Die Zahl der derzeit biologisch Anbauenden liegt bei 5.000. Der Ertrag in Kilo ist geringer, der in barer Münze doppelt so hoch wie bei konventionell angebauter Baumwolle.

Bauer Hien hat sich schon beworben, wie er der FAZ sagt. Aber die Warteliste sei lang. Gleichzeitig schraube er an seiner Verschuldung weiter. Denn den von Sofitex gelieferten Dünger setzt er auch für den Anbau von Mais und Hirse ein, muss aber dafür den Grund als Anbaufläche für Baumwolle angeben.

Helvetas lässt die Bio-Baumwolle übrigens bei Faso Coton entkernen. Dafür wird eine Lizenzgebühr gezahlt. Auch wenn Unternehmenschef Konate dies gern tue. „Die Zukunft“, so ein weiteres Zitat aus der FAZ, „aber gehöre dennoch der Gen-Baumwolle“

Damit stellt sich die Frage, wie lange die Bio-Baumwolle noch frei von Gentechnik bleibt. Die Gefahr einer Verunreinigung oder Vermischung ist groß.

In einer von der ASW unterstützten deutsch-burkinischen Filmdokumentation wird dargestellt, dass Bio-Baumwolle auch für Westafrika interessant ist.

Den Kleinbauern garantiere der Anbau gegenüber konventionellen oder genmanipulierten Sorten ein zuverlässigeres Einkommen. Die Schwankungen auf dem Weltmarkt könnten durch Bio-Baumwolle besser abgefangen werden.

ASW berichtet: „Westafrikas Bauern produzieren vier Prozent der weltweit angebauten Rohbaumwolle. Die Mehrzahl von ihnen sind Kleinbauern, die Flächen unter zwei Hektar bewirtschaften und keine Maschinen oder künstliche Bewässerung einsetzen. Für Burkina Faso ist der kleinbäuerliche Anbau von Baumwolle ein wesentlicher Bestandteil der Volkswirtschaft und die einzig nennenswerte Quelle für Deviseneinnahmen.“

Die Regierung investiere „in die Infrastruktur für den Transport der Baumwolle von den Feldern zu den Fabriken und weiter zum Hafen in die Elfenbeinküste. Die einzigen Kredite, die von den Banken vergeben werden, sind die für den Anbau von Baumwolle, da die Abnahme von den drei Baumwollunternehmen des Landes garantiert wird.“ Die Situation der Weiterverarbeitung beschreibt ASW ebenfalls: „Seit einiger Zeit gibt es keine weiter­ verarbeitende Textilindustrie mehr im Land und so werden 95% der Baumwolle als Rohstoff exportiert.“

Den Einsatz von Gen-Baumwolle sieht ASW kritisch: „Seit Beginn des Preisverfalls für Baumwolle, bedingt durch die subventionierte Baumwolle aus USA und EU, experimentiert das amerikanische Unternehmen Monsanto auch in Burkina Faso mit genetisch veränderter Baumwolle. Der Sorte „BT-Baumwolle“ wird das Gen des Bakteriums „Bacillus thuringiensis“ eingesetzt. So produziert die Baumwolle selbst ein Insektizid, das sie gegen die Kapselraupe schützt. Für die Kleinbauern ist ihr Anbau dennoch riskant. Wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen, ist die gegen die Kapselraupe resistente Baumwolle gegen andere Schädlinge umso anfälliger.

Der wirtschaftliche Nachteil der Gentechnik: „Außerdem können Bauern kein eigenes Saatgut nachzüchten und müssen das Material für die Aussaat teuer bei den Agrofirmen einkaufen. Aber auch die herkömmlichen Baumwollsorten sind sensibel. Die Baumwollpflanze benötigt von allen Agrarpflanzen die höchsten Einsätze an Düngemitteln und Insektiziden“

Die ökologischen Nachteile wiegen ebenso schwer, denn Baumwolle „verbraucht [...] große Mengen Wasser und laugt die Böden aus. Baumwolle ist ökologisch gesehen für den kargen Boden der Sahelzone ausgesprochen schlecht. Daher gibt es eine deutliche Abnahme der noch kultivierbaren Flächen. Der Norden Burkina Fasos ist heute nicht mehr für den Anbau von Baumwolle geeignet“.

„Eine Alternative für die Produzentinnen ist der ökologische Anbau von Baumwolle. Seit Beginn der Baumwollkrise 2003 stellen immer mehr Bauern und Bäuerinnen ihre Produktion um, so dass es heute auch westafrikanische Bio-Baumwolle auf dem Weltmarkt gibt“.

Das deutsch-burkinische Filmprojekt der ASW setzt den Schwerpunkt auf die kleinen Produzenten. Zu diesem Zweck lässt die Filmemacherin Elke Marhöfer rund 20 Baumwollbauern aus verschiedenen Teilen des Landes zu Wort kommen. „Unter denen, die ausführlich berichten, ist auch ein Biobauer. Die Bauern sprechen über die Probleme mit den drei Baumwollunternehmen, die in ihrer jeweiligen Region ein Monopol auf Saatgut, Kunstdünger und Pestizide halten. Sie berichten von ihren Geldnöten und dass sie oft nicht wissen, wie sie Medikamente, den Schulbesuch der Kinder und Familienfeste finanzieren sollen“.

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