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Titel

Karité und Bissap für Europa

Agri Faso produziert in Bobo Dioulasso Bio für den Export

Mitglieder des Arbeitskreises Burkina Faso im Freundeskreis der Altfredeburger (das sind die Altschüler der zentralen Bildungseinrichtung des Deutschen Bauernverbandes, heute Andreas Hermes Akademie mit Sitz 110113_BF_WB_AgriFaso_13_wein Bonn-Röttgen) haben im Januar ihr Partnerdorf Kienfangué in Burkina Faso besucht, dabei aber auch die Gelegenheit genutzt, einige landwirtschaftliche Einrichtungen zu besuchen. Heute berichten sie über die Firma AgriFaso in Bobo-Dioulasso.

Die Baulichkeiten des Betriebes liegen im Industriegebiet. Aus dem Staub und Dreck rundum geht es in einen blitzsauberen BlO-zertifizierten Produktions- und Lagerbetrieb. Seit 2004 sammelt und verarbeitet hier Hermann Schopferer speziell angebaute Erdnüsse, von wilden Bäumen gesammelte Karité-Nüsse und auf Feldern angebaute Blüten eines einjährigen Hibiscus (Hibiscus sabdariffa, „Bissap").

Inzwischen hat das Unternehmen 35 Arbeitsplätze für einheimische Festangestellte (darunter 110113_BF_WB_AgriFaso_04_Wedrei Agrar-Ingenieure für die Kontrolle an den Ernteorten) geschaffen, die teilweise auch in drei Schichten arbeiten. Er beschäftigt 30 bis 40 Frauen in Teilzeit – gern auch mit dem Kind auf den Rücken gebunden. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es eine Kantine. Ein aus Deutschland beschaffter Lkw („Eder-Pils" steht drauf) sammelt die Produkte im Umkreis von bis zu 150 Kilometer ein. Ein angemietetes Lagerhaus ermöglicht das Atmen.

Die energieaufwändige Produktion der Karité-Butter läuft fortlaufend in drei Schichten. Die von der Schale befreiten Nüsse werden zunächst geschrotet, dann geröstet und ausgepresst, das daraus gewonnene Öl n speziell wärmegedämmten Öfen gekocht und eingedickt. Befeuert werden sie mit den beim Auspressen übrig bleibenden Ölkuchen. Nach genauem Verfahren entsteht am Ende in blauen Kunststoff-Behältern eine gelbliche Butter. Versandfertig liegt sie in Kunststoff-Beuteln, diese wiederum in Kartons im Lagerhaus. 200 Tonnen je Jahr - das ist etwa die Hälfte des gesamten Exports dieses Produkts aus Burkina Faso. Abnehmer ist vorwiegend die deutsche Kosmetikindustrie. Schopferer erklärt seine Definition von BIO-Betriebe: „Wir versuchen auch, ohne zusätzliche Energie auszukommen. Die Röstöfen brauchen noch Gas, den wärmegedämmten Öfen reicht der ausgepresste Ölkuchen".

110113_BF_WH_AgriFaso_03_weIn die Tee-Industrie dagegen liefert AgriFaso seine Hibiscus-Blüten. Sie werden auf Feldern gesammelt und dann von Hand fein sortiert und aufbereitet. So ein großer Sack wiegt fast nichts. Dennoch werden davon jährlich 300 Tonnen exportiert. Man stelle sich die entsprechende Zahl von Containern vor! Die einheimische Geschäftsführerin Aida Koanda packt uns Proben in Folienbeutel. Wir werden noch zu Hause den schmackhaften Saft genießen. Die freche Frage, ob sie denn als Burkinabé mit dem gerade zu preußisch organisierten Betrieb zu Recht komme, beantwortet sie charmant: „Ich arbeite eben für Deutsche!". Als ob das in Burkina Faso selbstverständlich wäre!

Im Lager steht feines Erdnussöl. Das ist eines der Produkte aus dieser Frucht. Das andere sind sorgfältig sortierte ganze Nüsse. 120 Tonnen verlassen jährlich den Hof.

Hermann Schopferer ist stolz auf seinen Betrieb. Kann er auch. Er setzt jährlich mehr als l Mio. Euro (darin wird fakturiert) um. „Das sind in Deutschland 30 bis 40 Millionen". Und das mit halbe110113_BF_WH_AgriFaso_06_wer Kraft. Die andere Hälfte seiner Kraft steckt er noch in die Tätigkeit als Consultant der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Sorgen machten ihm im Januar die unklare Situation an der Elfenbeinküste. Normalerweise und jetzt auch wieder verlassen seine Waren den Hof in Containern, die am Ort auf die Eisenbahn geladen und nach Abidjan zur Verladung auf Schiffe abgefahren werden. Damals war dieser Weg unterbrochen. Es fuhren keine Güterzüge, weil zu unsicher. Nach Togo und Ghana zu den alternativen Atlantik-Häfen ist es viel weiter und es musste auf der Straße transportiert werden. Das kostete pro Container ca. 800 Euro mehr. Nicht nur Hermann Schopferer hofft, dass das nun endgültig wieder Vergangenheit ist. 

Walter Helfert, Koblenz

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