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DANKE AFRIKA - WIR SIND UNS BEGEGNET!
"Bonjour, ça va? Et la chaleur?" – "Guten Morgen, geht es euch gut, ist es euch nicht zu heiß?" - So wurden wir allmorgendlich freundlichst und interessiert begrüßt von den Klosterschwestern, die unsere Partnerschule – das Collège catholique Notre-Dame du Kologh Naaba – leiten und rührend um unser Wohl bemüht sind. Sie versorgen uns mit regionaltypischem Essen – wollen uns alles erklären und damit unsere Sensibilität für ihre Welt ausbilden. Dabei achten sie peinlich darauf, dass wir keine Lebensmittel zu uns nehmen, die zwar hier selbstverständlich sind, aber unsere Gesundheit gefährden könnten.
Der tägliche Morgengruß bekommt von Tag zu Tag eine größere Bedeutung, denn das Thermometer steigt um 10 Uhr vormittags auf bis zu 40 Grad und erst gegen 16 Uhr lässt dank kräftiger Staubschicht, in der die Sonne versinkt, langsam die Hitze nach. Aber die Schatten spendenden (Mango-)Bäume im Schulhof unter denen sich gut unterhalten und entspannen lässt, die Tütchen mit eisgekühltem Wasser zum Auslutschen, die vielen Eindrücke, Kontakte und Erlebnisse lassen kein Jammern aufkommen; ja ganz im Gegenteil – ausgerüstet mit Flipflops, immer wieder einem frisch herausgewaschenem T-Shirt, einem luftigen Rock oder Hose, genießen wir die Wärme bis in die Nacht hinein und die freundliche Neugier und Offenheit unserer Partner.
Wir schlafen in den einfachen, sauberen ehemaligen Internatsräumen auf dem weiträumigen Schulgelände, geschützt von den Wächtern am Tor und irgendwie auch den Glocken und Gesängen aus den zahlreichen Gottesdiensten der Umgebung, den Rufen der Muezzins, dem entfernten rhythmischen Trommeln und dem dumpfen Dröhnen aus der Geschäftigkeit der Millionenstadt. Um 6 Uhr in der früh, weckt uns dann wieder das Geschnatter der ersten eintreffenden Schülerinnen und das Geknatter ihrer Mopeds und Geklingel ihrer Fahrräder.
Die Gruppe Weißer am Schulgelände ist natürlich eine Attraktion, die jedoch nicht mit Skepsis, sondern Begeisterung aufgenommen wird; Adressen und Fotos werden ebenso gesammelt wie Gespräche geführt über das Leben hier und da, über Wunschträume und Alltagsprobleme. "Danke, dass ihr gekommen seid!" heißt es immer wieder; wir sind baff erstaunt, denn eigentlich ist es an uns zu danken für die Aufnahme und das Interesse; aber "euer Besuch stärkt unser Selbstwertgefühl, öffnet uns die Augen für eure Welt – nicht so wie sie strahlend aber unerreichbar im Fernsehen gezeigt wird – jetzt kennen wir eure Gesichter , das verbindet!"
Wir haben ein volles Programm: Unterrichtsbesuche am Gymnasium auf allen Stufen, Diskussionen zu afrikanischen Filmen mit Jugendlichen, Darstellern und Regisseuren, Kontakt zu den Redakteuren einer Jugendzeitschrift, Ausflüge in ein Wildtierreservat in unberührter Savannenlandschaft, Einkaufen auf dem bunten Markt, ein Schaukelbau an der Grundschule im Armenviertel und nachts Kino unter freiem Himmel im Rahmen des größten panafrikanischen Filmfests FESPACO.
Immer wieder erstaunt uns, wie wenig fremd wir uns sind, wie vertraut der Umgang mit den Menschen hier ist.
Das Filmseminar hat aber in der Wahrnehmung von Realitäten kulturelle Differenzen deutlich gemacht: Der Stellenwert der Tradition, der Familie, des Patriarchats bzw. der Emanzipation von Frauen und Mädchen wird doch sehr unterschiedlich gesehen. Zwangsheirat, Polygamie sind für uns ebenso unfassbar, wie unsere individuelle Entscheidungsfreiheit für Partner und Beruf es für die Mädchen in Burkina Faso sind. Natürlich ist in der Stadt die Orientierung an europäischen Normen und Werten größer, als in der archaischen Landgesellschaft. Und so ist klar, je größer der Wohlstand, desto stärker nähern sich die Ideale an.
Armut und Ungerechtigkeiten, gravierende Menschenrechtsverletzungen, eine Regierung, die mehr auf äußeren Schein setzt, als auf Investitionen in die Zukunft, z.B. die Bildung – das Schulsystem liegt bei einer Alphabetisierungsquote unter 50% und Klassenstärken über 100 Kinder mehr als im argen – All das ist deprimierend zu erleben und die Lösungen sind schwierig und nicht nur im Bereich traditioneller Entwicklungszusammenarbeit zu suchen. 
Die offenen Brüche zwischen Tradition und Moderne, die schwierigen natürlichen Lebensbedingungen, die katastrophale Umweltbelastung, die mangelnde medizinische Versorgung und Aids…., die Liste der Probleme ist lang. Manche davon liegen auf der Hand und gerne hätten wir aus dem Norden manchmal einen schnellen Lösungsansatz angebracht: "da müsste man doch nur…." Aber so einfach ist es nicht und es wäre auch grundfalsch! Lösungen können nur von innen wachsen und genauso ist es mit der Verständigung und dem gegenseitigen Verständnis. Nur die Begegnung, der Gedankenaustausch lässt eine Annäherung wachsen und bereichert letztlich beide Seiten. Auch unsere afrikanischen Freunde ahnen, dass unsere westliche Gesellschaft nicht das Non plus ultra ist, wir Europäer sehen vor dem ärmliche Hintergrund die eigene Konsumgesellschaft sehr kritisch.
Sind wir nun nach dieser Reise gefeit gegenüber Rassismus? Was können wir abgeben, teilen? Wie können wir unseren Partnern eine Begegnung auf Augenhöhe auch in Deutschland ermöglichen?
Es darf weitergedacht werden.
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