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Afrika: 50 Jahre Unabhängigkeit
Burkina Faso: Der Weg zum „Land der Aufrichtigen"
Aus: Lo’Nam April/Mai 2010, von Mareen Brauer
Die Vergangenheit Burkina Fasos ist vor allem durch die Staatenbildung der Mossi-Bevölkerung geprägt, die ihre Selbständigkeit jedoch im Zuge der französischen Besetzung Ende des 19. Jahrhunderts aufgeben musste. 1904 wurde das Gebiet dann an die Kolonie Obersenegal und Niger angeschlossen. Erst nach dem 1. Weltkrieg wurde eine neue Kolonie namens Obervolta mit der Hauptstadt Ouagadougou geschaffen. Die erhofften wirtschaftlichen Fortschritte im Land blieben jedoch in den darauf folgenden Jahren aus. Die ländliche Bevölkerung verarmte immer mehr und die Zahl der Auswanderer stieg stark an. Diese Misserfolge führten letztendlich dazu, dass die Kolonie 1932 auf die benachbarten Überseegebiete Französisch-Sudan, Niger und Elfenbeinküste aufgeteilt wurde. Die bevölkerungsreichen Gebiete des Obervolta dienten den anderen Kolonien dabei vor allem als Arbeitskräftepool, aus dem sie neue Zwangsarbeiter aus den Plantagen beziehen konnten. Das ehemalige Reich der Mossi wurde dabei endgültig zerstört.
Im Laufe des 2. Weltkriegs wurden die Rufe in der kolonialen Bevölkerung nach Unabhängigkeit immer lauter. Die Mossi wollten jedoch nicht nur die Unabhängigkeit, sondern setzten sich in erster Linie für die Wiederherstellung des Obervolta ein. Besonders der Moogha Naaba, das Oberhaupt der Mossi, kämpfte für einen Neuanfang seiner Volksgruppe, die seit Jahrhunderten dort lebte und endlich wieder in einem eigenen Staat vereint sein wollte. Um dieses Ziel zu erreichen und sich gegen die Dominanz der Elfenbeinküste und der RDA (Rassemblement Démocratique Africain) zu wehren, gründete er 1945 die Partei „Union pour la défense et les intérêts de la Haute-Volta“ (UDI-HV). Die Kolonien bekamen von Frankreich 1945 mehr Rechte zugesprochen und konnten gewählte Abgeordnete in die Nationalversammlung nach Paris entsenden. Die UDI-HV verlor jedoch bei der Wahl in der Elfenbeinküste gegen die Partei „Parti Démocratique de la Côte d'Ivoire" (PDCI), die ihren Gründer Félix Houphouët-Boigny, den späteren Präsidenten der Elfenbeinküste, nach Frankreich schickte. Nach dieser Niederlage benannte sich die Partei UDI-HV in „Union Voltaïque" (UV) um.
1947: Mitglied der „Union Française“
Mit der Entscheidung der französischen Nationalversammlung das Obervolta 1947 in den Grenzen von 1932 wiederherzustellen, wurde der Traum der Mossi aber trotzdem Realität. Von nun an war die Kolonie Mitglied der „Union Française", konnte ihre eigene Regionalversammlung wählen und Abgeordnete nach Paris entsenden. Doch der seit 1948 amtierende Gouverneur Albert Moragues versuchte alles, um weitere Unabhängigkeitsbestrebungen, vor allem die der RDA, deren Mitglieder als Kommunismus-Anhänger galten und sich für die vollständige Befreiung der besetzten Gebiete einsetzten, zu unterbinden. Seine Unterstützung galt nur der profranzösisch eingestellten Partei UV. Doch langfristig konnte er den Aufstieg der antikolonialistischen RDA, die auch in vielen anderen französischen Kolonien viel Unterstützung hatte, und die Neugründung anderer Parteien, wie der antitraditionellen Mossipartei „Mouvement Démocratique Voltaïque“ (MDV), nicht verhindern.
1956 kam es zur erneuten Umstrukturierung in den französischen Überseegebieten. Ein Regierungsrat wurde geschaffen, bei dessen Wahl die RDA gewann und Daniel Ouezzin Coulibaly erster Ministerpräsident von Obervolta wurde. Nach einem Misstrauensvotum musste er jedoch kurz darauf zurücktreten und Maurice Yameogo von der MDV übernahm seinen Posten.
Doch auch im Mutterland kam es zu einem politischen Umbruch. Unter Charles de Gaulle entstand in Frankreich1958 die Fünfte Republik, die ihre Kolonien vor die Wahl stellte, sofort unabhängig oder als autonome Republik Mitglied in der „Communauté française" zu werden. Die politische Spitze Obervoltas war zum Glück realistisch genug, um einzusehen, dass ihr Land noch nicht reif genug für die vollständige Unabhängigkeit war und entschied dagegen. 1959 schloss sich Obervolta aber aufgrund von gemeinsamen politischen und wirtschaftlichen Interessen dem „Conseil de l’Entente“, einem losen Staatenbündnis zwischen Niger, Dahomey und Elfenbeinküste an.
5. August 1960:Obervolta ist unabhängig
Gestärkt durch diese positive politische Entwicklung und durch die vermehrten Unabhängigkeitserklärungen der Nachbarstaaten war die Republik nun bereit für die vollständige politische Freiheit. Auch Frankreich war der Meinung und entließ Obervolta am 5. August 1960 in die Unabhängigkeit. Maurice Yameogo wurde erster Präsident der Republik, die er durch seine Sparmaßnahmen in den darauf folgenden Jahren fast in den Ruin trieb. Erst durch Massenproteste in der Bevölkerung und einem von den Gewerkschaften ausgerufenen Generalstreik konnte er 1966 gestürzt werden, was dem Land aber noch lange keine politische Stabilität brachte. 1984 kam es zur Umbenennung in Burkina Faso, was übersetzt „Land der Aufrichtigen“ bedeutet.
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